Der richtige Zeitpunkt:
Das regelmäßige Umtopfen ist für die Gesundheit und Entwicklung eines Bonsais von großer Bedeutung. In der Regel sollten Laubbäume alle zwei Jahre und Nadelbäume alle 3-5 Jahre umgetopft werden. Je nach Pflanzenart und Entwicklungszustand sollte hier aber individuell entschieden werden. Ein zu frühes Umtopfen schwächt die Pflanze, da sie meistens im ersten Jahr anwurzelt und erst im Folgejahr normal austreibt. Ein zu spätes Umpflanzen hat dagegen zur Folge, dass es den Wurzeln in der Schale an Platz mangelt und Äste durch die Unterversorgung mit Wasser und Nährstoffen leiden oder sogar absterben können.
Gleichzeitig führt aber ein gewisser Platzmangel in der Schale zu kurzen Trieben und der gewünschten Reifung eines Bonsais. Den richtigen Zeitpunkt für das Umtopfen zu finden ist also ein Gradwandel und es empfiehlt sich eine Dokumentation der Umtopfzyklen sowie die aufmerksame Beobachtung des Pflanzenwachstums. Sollte die Bodenoberfläche jedoch sehr hart sein und die Pflanze beim Gießen kaum noch Wasser aufnehmen, ist dies ein sicheres Zeichen für einen verdichteten Wurzelballen. Auch die Abzugslöcher am Schalenboden sind dann meistens zugewachsen. Spätestens jetzt sollte umgetopft werden. Laubbäume werden idealer Weise im Frühjahr (Februar-März) vor dem Blattaustrieb umgesetzt. Für Nadelbäume kann je nach Witterung und Überwinterungsmöglichkeiten auch der Spätsommer (September) empfohlen werden. Zimmerbonsai können während der gesamten Wachstumsperiode (Februar-Oktober) umgetopft werden.
Austopfen:
Vor dem Austopfen sollte der Arbeitsplatz mit allen nötigen Werkzeugen und Utensilien vorbereitet werden, um ein zügiges und effektives Arbeiten zu ermöglichen. Zuerst wird der Draht um den Wurzelballen entfernt. Mit einem speziellen Messer oder einer entsprechenden Wurzelsäge kann der Baum dann leicht aus der Schale gelöst werden. Besonders bei stark wurzelnden Arten und bauchigen Schalen ist die Säge oft die einzige Möglichkeit den Baum aus der Schale zu bekommen. Im schlimmsten Fall muss die Schale mit einem Hammer zerteilt werden.
Wurzelschnitt:
Ebenso wie bei der Baumkrone, sollte man auch Wert auf einen guten Aufbau des Wurzelsystems legen. Beim Umtopfen werden die Wurzeln zunächst mit einer Wurzelkralle entwirrt. Dabei arbeitet man vom Stamm nach außen ohne die Wurzeln zu zerreißen. Die locker herabhängenden Wurzeln können dann mit einer scharfen Schere eingekürzt werden. Dickere Wurzeln können auch mit einer Zange abgeschnitten werden. Starke Schnitte werden dann am besten mit einer speziellen Wurzelpaste behandelt.
Wurzelansatz:
Für einen schönen Wurzelansatz ist es außerdem wichtig, die seitlichen und nicht die unteren Wurzeln zu fördern. Dazu wird die Unterseite des Wurzelballens stärker eingekürzt. Es sollten aber immer genügend Feinwurzeln am Baum verbleiben, um das Anwachsen der Pflanze sicher zu stellen. Der Wurzelansatz sollte vor dem Eintopfen dann noch mit einer Bürste und Wasser gereinigt werden. Optisch störende Wurzeln können jetzt auch komplett entfernt werden, sofern der Baum physiologisch darauf verzichten kann.
Vorbereitung der Schale:
Falls der Baum aus seiner Schale herausgewachsen ist, kann nun eine neue ausgewählt werden. Die Größe ist hier für ein gesundes Wachstum entscheidend. Zu kleine Schalen führen schnell zu Mangelerscheinungen und zu große Schalen begünstigen Staunässe und gefährden damit ebenfalls die Gesundheit des Baumes. Benutzt man die alte Schale nochmal, sollte diese gründlich gereinigt werden. Als erstes müssen dann die Abzugslöcher mit einem Netz bedeckt werden, damit die Erde nicht ausgespült wird. Die Netze müssen mit einem Draht fixiert werden. Durch die Verwendung von farbigen Netzen kann man übrigens leicht den Zeitpunkt des Umtopfens feststellen. Meistens verfügt die Schale auch über spezielle Drahtlöcher, um den Bonsai in der Schale zu befestigen. Falls diese nicht vorhanden sind, nutzt man einfach die Abzugslöcher.
Substrat:
In die fertig vorbereitete Schale wird dann spezielles Bonsai-Substrat eingefüllt (z.B. TerraSai). Es sollte eine strukturstabile, der Pflanzenart und dem Entwicklungszustand angepassten Mischung sein. Es wird nur so viel Substrat eingefüllt, dass der Baum anschließend die passende Höhe in der Schale hat. Der Wurzelansatz sollte dabei weder unterhalb noch oberhalb des Schalenrandes liegen. Bevor der Baum eingesetzt wird, empfiehlt sich die Verwendung von einem Startdünger (z.B. BioGold Classic). Besonders Nadelbäume können nun auch sehr gut mit einem Mykorrhiza-Pilz (z.B. Vitalin) geimpft werden.
Andrahten:
Solange der Baum sich noch nicht durch seine eigenen Wurzeln in der Schale halten kann, muss er unbedingt fest angedrahtet werden. Dadurch verhindert man ein herauskippen der Pflanze und die frischen Wurzelhärchen können ungestört wachsen. Der Draht wird dazu über den Wurzelballen geführt, fest angezogen und verdrillt. Der überflüssige Draht wird eingekürzt. Sollte der Draht über den Wurzelansatz laufen, kann hier etwas Schutzschlauch verwendet werden. Nach dem Andrahten sollte der Baum fest in der Schale sitzen und ohne Problem am Stamm hochgehoben werden können.
Eintopfen:
Nach dem Andrahten wird das restliche Substrat angefüllt und mit einem Stäbchen gewissenhaft in sämtliche Hohlräume eingearbeitet. Es ist darauf zu achten, dass man dadurch jedoch nicht die Wurzeln an die Oberfläche befördert und diese dann aus dem Substrat herausstehen.
Angießen:
Wenn die Pflanze fertig eingetopft ist, muss sie gründlich gewässert werden. Dabei sollte solange gegossen werden, bis das Wasser aus den Abzugslöchern läuft. Das Substrat sollte ab sofort auch nicht mehr austrocknen, aber Staunässe ist ebenfalls zu vermeiden. Manche empfindliche Arten mit besonders flachen Schalen profitieren in dieser Zeit von einer dünnen Schicht mit feinem Sphagnum-Moos, welches auf die Erdoberfläche gestreut wird.
Nachsorge:
Frisch umgetopfte Bonsai sind empfindlich und sollten hell und geschützt vor Frost, Hitze und Wind stehen. Sobald die Pflanze austreibt muss auch auf einen Schädlingsbefall geachtet werden. Läuse befallen gerne den Neuaustrieb und müssen umgehend entfernt werden. Sobald die Pflanze angewurzelt ist und kräftig treibt, kann mit dem Düngen begonnen werden (ca. 4-6 Wochen nach dem Umtopfen).