Ziel:
Ein Bonsai im Sinne der japanischen Tradition sollte sich im Laufe der Zeit zu einem reifen und ausdrucksstarken Charakter entwickeln. Ein Merkmal dieser Reife ist unter anderem eine sehr feine und differenzierte Verzweigung. Diese erreicht man bei bestimmten Pflanzen durch das regelmäßige Pinzieren der Triebe im Frühjahr.
Vorgehen:
Beim Pinzieren wird möglichst früh die Spitze des frischen Austriebs mit den Fingern oder einer Pinzette entfernt. Dazu greift man den noch zarten Trieb, der zwischen den neuen Blättern liegt und zupft ihn ab. Das erste neue Blattpaar wird dabei jedoch stehen gelassen.
Auswirkung:
Das direkte Einkürzen des Neuaustriebs führt im weiteren Verlauf des Wachstums zu einer reduzierten Trieblänge und in der Regel zu kürzeren Abständen zwischen den einzelnen Blattknospen. Außerdem bleibt der Trieb deutlich dünner, als wenn man ihn zu lang austreiben lässt.
Zeitpunkt:
Es ist wichtig die Pflanzen im Frühjahr genau zu beobachten, um den richtigen Zeitpunkt für das Pinzieren nicht zu verpassen. Je früher desto besser, denn innerhalb kürzester Zeit beginnt das Längenwachstum und der Trieb ist schnell zu lang geworden.
Anwendungsgebiet:
Besonders bei dem Japanischen Fächerahorn ist das Pinzieren eine wichtige Technik, um zu lange, gerade und kräftige Triebe in der Baumkrone zu vermeiden. Auch bei Zelkoven ist diese Pflegemaßnahme entscheidend für den Aufbau der typischen fein verzweigten besenförmigen Krone. Daneben profitieren natürlich auch viele andere Bonsai-Arten von einem rechtzeitigen Pinzieren des Neuaustriebs (z.B. Dreispitzahorn, Hainbuche, Rot-Buche, Wacholder, Kiefer).